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Wissensdialog Nordschwarzwald zieht eine Zwischenbilanz

Anlässlich der im Dezember 2017 zu Ende gehenden ersten Förderperiode des Wissensdialogs Nordschwarzwald (WiNo) hatte das Projekt am 10. November 2017 in den Rosensaal in Baiersbronn eingeladen. Über 70 Personen nahmen an der kurzweiligen und informativen Veranstaltung teil.

Mit der Gründung des Nationalparks sei das Versprechen verbunden gewesen, dass mit dem Nationalpark auch die Wissenschaft in die Region käme, so Bürgermeister Michael Ruf in seinem Grußwort. Der Wissensdialog sei ein solcher Wissenschaftsbaustein. Ziel der Förderung solcher sogenannten Reallaborprojekte sei es, Forschung direkt in die gesellschaftliche Realität zu tragen und damit zur nachhaltigen Entwicklung beizutragen, erläuterte Dr. Felix Wagner vom Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg (MWK). Damit verbunden ist auch der Anspruch, dass die Forschungsthemen gemeinsam mit Partnern in der Region und interessierten Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet und beforscht werden.

 

Diesen Anspruch zu erfüllen, sei nicht immer ganz leicht gewesen, bekannte WiNo-Projektleiterin Prof. Dr. Barbara Koch. Denn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seien es gewohnt, ihre Themen selbst zu bestimmen; Praxispartner brächten ganz neue Interessen und Rahmenbedingungen in die Forschungsarbeit ein. Von der teils ungewohnten Zusammenarbeit hätten jedoch letztlich alle Beteiligten enorm profitiert. Dass die Wissenschaftsteams nicht zuletzt durch die zurückliegenden Projektjahre versiert darin sind, ihre Forschung verständlich und unterhaltsam zu präsentieren, zeigte der sich anschließende kurzweilige Überblick über die Ergebnisse der neun Teilprojekte.

 

Die Themenpalette der bearbeiteten Projekte war breit. Die Wissenschaftler gaben Impulse für die natürliche Waldentwicklung in bisherigen Kulturwäldern und erforschten die Ausbreitungsdynamik des Borkenkäfers. Sie entwickelten Ideen für Produkte und Kooperationen im Gesundheitstourismus, beleuchteten Ansätze wie Carsharing oder Bürgerbus, mit denen sich die Mobilität im ländlichen Raum erhöhen lässt und erstellten ein Datenmodell für die Wegeverwaltung. Zudem untersuchten sie, wie Menschen in der Region die Flächen in den vergangenen Jahrhunderten land- und forstwirtschaftlich nutzten, wie sie einheimische Wildtiere wahrnehmen und charakterisieren, und wie sie ihr Wissen, über das sie aus ihrer Arbeit auf dem Hof, im Wald oder durch eigene Naturbeobachtungen verfügen, an die nächste Generation weitergeben. Auch neue Erwerbsmöglichkeiten, die sich für Frauen aus der Gründung des Nationalparks ergeben können, wurden erkundet.

 

Im Anschluss an die Kurzpräsentationen luden die Forschungsteams die Besucherinnen und Besucher ein, auf dem „Marktplatz“  an den im hinteren Teil des Rosensaals errichteten Infoständen miteinander ins Gespräch zu kommen. Schnell kamen die Gespräche und Diskussionen in Gang, fanden sich bunt gemischte Gruppen an den Stehtischen ein.

 

Der letzte Teil der Veranstaltung war zwei Podiumsgesprächen gewidmet (Moderation Dr. Stefan Rösler). Die erste Runde fragte danach, was studentische Projekte in die Region bringen, und was Studierende daraus mitnehmen. Adrian Dahlmann und Malte Seibold, zwei Studierende der Universität Freiburg, hoben hervor, dass es für sie vor allem toll gewesen sei, ihre im Kurs an der Uni entwickelten Ideen für Bildungsangebote vor Praktikern vorzustellen und ein unmittelbares Feedback zu erhalten.  Die Kreativität der jungen Leute bringe auch einem Verein Impulse, zudem seien studentische Recherchearbeiten wertvoll, hob Dora-Luise Klumpp vom Förderverein Glashütte Buhlbach vor. Axel Singer von der Kur- und Tourismus GmbH Bad Peterstal-Griesbach regte an, dass die Studierenden in Zukunft nicht nur Konzepte ausarbeiten, sondern diese bis zur Umsetzungsreife führen sollten, um eine bessere Vorstellung von den praktischen Rahmenbedingungen zu gewinnen. In der zweiten Förderperiode von WiNo wird dieser Gedanke aufgegriffen werden, erläuterte Dr. Regina Rhodius, Geschäftsführerin des Projektes, im Nachgang der Veranstaltung.

 

Abschließend diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der Region mit Wissenschaftsvertretern über die in WiNo bei der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis gemachten Erfahrungen. Auch in einer Liebesbeziehung gäbe es immer Verbesserungsvorschläge, umso mehr, wenn es um die Zusammenarbeit von recht verschiedenen Institutionen gehe, so Dr. Thomas Waldenspuhl, Leiter des Nationalparks Schwarzwald. Er hob hervor, wie wichtig es sei, sich auf Augenhöhe zu begegnen und einander zuzuhören. Um das dafür nötige Vertrauen zu entwickeln, brauche es Zeit, betonte Prof. Dr. Monika Bachinger von der Hochschule Rottenburg und begrüßte daher die zweijährige Verlängerung des WiNo-Projektes. In diesem wird zukünftig auch der Verein  Nationalparkregion e.V. als aktiver Partner vertreten sein. Dessen Geschäftsführer Patrick Schreib sieht vor allem den „Blick von außen“, den Wissenschaftler mitbrächten als gewinnbringend für die eigene Arbeit an.  Dies unterstrich auch Dr. Antje Wurz, Geschäftsführerin der LEADER-Kulisse Mittelbaden/Schwarzwaldhochstraße, und äußerte Interesse an einer zukünftigen Zusammenarbeit im Themenbereich der nachhaltigen Regionalentwicklung.

 

Die Podiumsrunde ging in lockere Nachgespräche im Foyer über. Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Peterstaler Mineralquellen GmbH und Alpirsbacher Klosterbräu Glauner GmbH & Co. KG.